Jean-Claude Waquet

Conspiration. Histoire exemplaire et phantasme politique dans les plus anciens dictionnaires du français (1539-1787)

Ausgehend von einer Untersuchung der ältesten Wörterbücher der französischen Sprache, zeigt der Beitrag, wie diese Texte nach und nach ein royalistisches Bild des Umsturzes konstruierten: Dieses Staatsverbrechen, das sich in seiner Abscheulichkeit nur wenig von der Verschwörung unterschiede, bestünde allein in der Absicht einiger Weniger, sich aus dem Dunkeln heraus des Lebens des Fürsten zu bemächtigen und sei glücklicherweise von vornherein zum
Scheitern verurteilt. Dieses Bild ist wegen des Schreckens, den es der Verschwörung verleiht, beängstigend und wegen des Scheiterns, das sie vorweg nimmt, zugleich beruhigend. Es ist durch ein ambivalentes Verhältnis zur Sprache geprägt: Obwohl die Wörterbücher vorgeben, den Sprachgebrauch zu dokumentieren, zeigen sie in Wirklichkeit eine sowohl in sprachlicher als auch in politischer Hinsicht bereinigte Version der Verschwörungskonzepte.
Solche Verschwörungsvorstellungen zeichnen sich zudem durch eine paradoxe Beziehung zur Antike aus. Diese liefert einerseits die historischen Beispiele (Catilina, Cinna), andererseits entfernt man sich von der antiken Konzeption der Verschwörung als Bedrohung der Eintracht des Gemeinwesens zu Gunsten einer absolutistischen Sichtweise. Ein zusätzliches Paradox stellt schliesslich die Tatsache dar, dass diese royalistische, repressive und weit gehend phantasmatische Vorstellung der Verschwörung zu einem Zeitpunkt auftaucht, als Umsturzversuche gegen die Person des Königs im politischen Alltag bereits selten oder bereits ganz verschwunden waren.

Erschienen in: traverse, 2004/3, S. 37.

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