Olivier Gillet

Orthodoxie et extrêmes droites en Roumanie. Du fascisme des années 1930 à l'ultramontanisme contemporain

Übersetzter Titel: Orthodoxie und extreme Rechte in Rumänien. Vom Faschismus der 30er Jahre zum Ultranstionalismus von heute

In der Zwischenkriegszeit und seit dem Zusammenbruch des Kommunismus haben sich für das Verständnis und die Interpretation der Beziehungen zwischen der Orthodoxie, dem Nationalismus und den Bewegungen der extremen Rechten in Ost- und Südosteuropa zahlreiche Probleme ergeben. In Rumänien war die Orthodoxie ein integraler Bestandteil der Legionärsideologie, und die orthodoxe Kirche des Landes entwickelte im Lauf des 20. Jahrhunderts bisweilen radikal nationalistische Positionen. Seit dem 19. Jahrhundert haben sich die orthodoxen Kirchen den nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches entstandenen Staaten untergeordnet. Seitdem etablierten sich enge Beziehungen zwischen den Kirchen, den Staaten und den neuen christlichen «Völkern» beziehungsweise «Nationen» Südosteuropas. Die faschistische Legionärsbewegung war der rumänischen Orthodoxie eng verbunden und sowohl im «Rumänismus» und der «Mystik des Ultranationalismus» stark verwurzelt. Die Zeitschrift Gândirea (Das Denken) war in der Zwischenkriegszeit eine klar rechtsextreme, intellektuelle Bewegung, der auch Mitglieder der orthodoxen Kirche Rumäniens angehörten. Diese Zeitschrift rechtfertigte die Tradition, den Autochthonismus, die Orthodoxie, den Rumänismus, die rumänische Ethnokratie und den «neuen Menschen». Sie schuf so etwas wie die Verschmelzung europäischer Faschismen mit der nationalen Orthodoxie Rumäniens. Die vom Theologen Nichifor Crainic entwickelte Ethnokratie zielte darauf ab, alle nationalen Minderheiten aus dem öffentlichen Leben zu entfernen, das Judentum in Rumänien auszurotten und im Land ein auf dem «rumänischen Blut» beruhendes, national-ethnisches, faschistisches, christlich-orthodoxes Regime zu etablieren. Die Vordenker der Legionärsbewegung stützten sich weitgehend auf die Konzepte von Crainic ab. Seit 1989 bekräftigt die orthodoxe Kirche Rumäniens ihren Willen, in der Gesellschaft wie früher eine aktive Rolle zu spielen. In der Folge kam es zu einer Renaissance von Konzepten ähnlich jenen der Legionärsbewegung und der Ultranationalisten. Wiederum verbanden sich Orthodoxie und extreme Rechte, und zahlreiche einschlägige Werke aus der Zwischenkriegszeit wurden wieder aufgelegt. Erneut wurden grosse Komplotte beschworen, ebenso destabilisierende, dunkle Mächte, deren Ziel es angeblich sei, eine «neue Weltordnung» herzustellen, welche die Authentizität der südosteuropäischen Nationen und der «wahren christlichen Kirche» bedroht. Die im Gefolge der Demokratisierungeinsetzende «Renaissance des Christentums» stiess rasch an ihre Grenzen, ja sie erwies sich geradezu als Hindernis für die Demokratisierung des rumänischen Staates. Einmal mehr zeigen sich am Beispiel der politischen Rolle der Kirche in Rumänien die Gefahren des Vordringens der geistlichen Autorität auf das Feld von Politik und Staat, wie im übrigen auch des umgekehrten Vorgangs.

(Übersetzung: Albert Schnyder Burghartz)

Erschienen in: traverse, 2000/3, S. 44.

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