Martine Segalen, Sophie Chevalier

Décloisonner la famille: L'exemple de la culture materiélle domestique

Übersetzter Titel: Die Öffnung der Kategorie «Familie»: Das Beispiel der materiellen Kultur in Haus und Heim

Die Öffnung der Kategorie «Familie» hin zu den gesellschaftlichen Bereichen, in denen sie sich bewegt, erlaubt es, das Phänomen Familie besser zu verstehen.
Dieser neue Ansatz, den man zum grossen Teil der Anthropologie verdankt, hat die Soziologie dazu geführt, sich für Verwandtschaftsverhältnisse zu interessieren und in vielen Studien die strukturierende, bestimmende Bedeutung festzumachen, die die intergenerationellen Veränderungen für die Familie in einer demographischen Situation hatten, die sich durch die Erhöhung der Lebenserwartung am Ende des 20. Jahrhunderts wesentlich gewandelt hat.
Der Wohnort stellt demnach, über den Umweg der Vererbung, einen Knotenpunkt der Verwandtschaftsbeziehungen dar. Einerseits durch die Hilfe, die einem jungen Paar bei der Gründung eines Haushalts geboten wird, andererseits aber auch durch die Wahl der Wohnlage, die durch die Nähe der Familie bestimmt wird. Die Wohnform ist ein anderes Instrument, um gesellschaftliche und familiale Beziehungen zu analysieren. Eine Untersuchung der häuslichen Sphäre und ihrer Gestaltung erlaubt die Verbindung zwischen Familie und Arbeit, zwischen privatem und öffentlichem Raum zu betrachten. Die Untersuchung dieser Beziehung basiert hier auf einem Vergleich zwischen Frankreich und Grossbritannien. Französische Einrichtungen zeigen gerne Elemente, die an die Arbeitswelt und an die Stellung erinnern, die man dort inne hatte, von Hand hergestellte Objekte zeugen von Fleiss und Arbeitsamkeit. Demgegenüber besitzen die Engländerinnen und Engländer kaum Symbole aus dem beruflichen Bereich.
Die beruflichen Fähigkeiten dringen auch in die private Sphäre ein, weil sich die Leute als Heimwerker/in betätigen. In diesem Bereich stellt man ebenfalls Unterschiede zwischen den beiden Ländern fest: In Grossbritannien sind die Investitionen in die Wohnungseinrichtung und deren hohe Erneuerungsfrequenz wichtiger als in Frankreich. Ein grosser Teil der Französinnen und Franzosen besitzt demgegenüber eine Erst- und eine Zweitwohnung, die man geerbt oder erworben hat und die oft ein bevorzugter Ort darstellt, um sich als Heimwerker/in zu betätigen. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bei diesen Tätigkeiten ist in Frankreich sehr ausgeprägt die Männer kümmern sich vor allem um Möbel, die Frauen um Näharbeiten und Nippsachen und kann mit einer geschlechtsspezifischen Trennung des verfügbaren Raums zusammenfallen. In Grossbritannien sind diese Aktivitäten eher Objekt eines gemeinsamen Projekts des Ehepaars.
Diese Beispiele zeigen, dass das Heim ein Knotenpunkt sozialer Tätigkeiten ist, die den Bereich der Familie mit demjenigen der Arbeit und der Freizeit verbinden. Diese Analyse erlaubt, einige Vergleichsmöglichkeiten zwischen Grossbritannien und Frankreich anzuschneiden, die auf unterschiedliche Konzeptionen der Familien- und Ehebande hinweisen: Das englische Heim steht dem öffentlichen Raum gegenüber und konzentriert sich auf die Ehebande, während sich in Frankreich die Trennung zwischen Öffentlichkeit und Privatleben viel weniger deutlich zeigt.

(Übersetzung: Marietta Meier)

Erschienen in: traverse, 1996/3, S. 20.

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