Lukas Boser Hofmann, Nathalie Dahn-Singh

Une patrie de papier. Représentations du territoire national pour le milieu scolaire dans les cantons de Vaud et Soleure, 1803–1845

Übersetzter Titel: Das papierene Vaterland. Darstellungen der Schweiz für den Schulgebrauch (Waadt und Solothurn, 1803–1845)

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden Karten und Geografiebücher geschaffen oder neu aufgelegt, welche die räumliche Ausdehnung der Schweiz visualisieren, die kulturellen Eigenschaften der SchweizerInnen beschreiben und den Patriotismus der SchülerInnen stärken sollten. Geografie wurde als Schulfach in vielen Schweizer Kantonen im Zug des liberalen Umschwungs von 1830–1831 und der darauffolgenden kantonalen Verfassungen und Schulgesetze eingeführt. Dass alle künftigen BürgerInnen im Geografieunterricht nützliches Wissen und damit die Grundlage für staatsbürgerliches Handeln und Entscheiden erlernen sollten, war Bestandteil des unerschütterlichen Vertrauens der liberalen Eliten in Fortschritt und Bildung. Wie die Analyse verschiedener Quellen zu Diskursen und Praktiken des Geografieunterrichts zeigt, erwies es sich jedoch oft als schwierig, in den Schulen dieses geografische Wissen tatsächlich zu vermitteln. Nichtsdestotrotz trugen die Bildungsbemühungen der liberalen Eliten entscheidend dazu bei, dass die Bürgerinnen und Bürger der modernen Schweiz eine Vorstellung von ihrem Staat (Kanton) und ihrer Nation (Schweiz) erhielten.

Erschienen in: traverse, 2017/1, S. 19.

code & design by eMeidi.com