Walter Aeschimann

Dopingdiskussionen am Beispiel von Dianabol (1959–1970)

Dianabol war das erste anabole Steroid, das auf dem Life-Style-Markt und im Spitzensport eine massenhafte Verbreitung fand. Dies vor allem, weil es das erste hochwirksame künstlich hergestellte Steroid war, das in Tablettenform eingenommen werden konnte. Es wurde 1959 von der Ciba AG in Basel lanciert. Der Beitrag zeigt auf, wie das Produkt in der US-Bodybuildingszene getestet wurde, als in Basel noch Tierversuche liefen. Obwohl gravierende Nebenwirkungen schon ein Jahr nach der Einführung offensichtlich waren, bewarb das Unternehmen Dianabol weiterhin als harmloses Tonikum.
Am Beispiel von Dianabol können Wechselwirkungen zwischen Doping und Spitzensport aufgezeigt werden. Nebenwirkungen wurden kleingeredet, führende Sportmediziner diskutierten den leistungssteigernden Charakter von Dianabol weg, obwohl sie es besser wussten. Die chemische Industrie schlich sich aus der Verantwortung. Doping wurde von jenen definiert, die dopten oder Doping zumindest förderten. Exemplarisch kann somit eines der Hauptprobleme der Dopingdiskussionen aufgezeigt werden, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet haben. Der Diskurs um Doping wird monopolisiert von einer interessierten Akteurenkonstellation aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Medien und Sport.

Erschienen in: traverse, 2016/1, S. 72.

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