Leonore Scholze-Irrlitz

Im Windschatten der Globalisierung. Ethnologische Perspektiven auf den Diskurs um «entleerte Räume» und die Bedeutung von Arbeit im ländlichen Raum

Ausgangspunkt des Beitrages ist der Konflikt unterschiedlicher Akteure hinsichtlich von Fragen ökologischen bzw. traditionellen Landbaus in der Region Barnim-Uckermark im Bundesland Brandenburg (BRD). Am Beispiel von zwei Gemeinden werden informelle Arbeitstätigkeiten beleuchtet. Dabei geht es darum, dem öffentlichen Diskurs über «Entleerung und Schrumpfung», Überalterung und geschlechtliche Segregation solche Tatsachen entgegenzustellen, die gerade den ländlichen Raum durch das Herauspräparieren der im Schatten dieser Debatte vorhandenen bzw. neu entstehenden Handlungskompetenzen und Alltagspraxen in ein anderes Licht rücken. Das stellt die jeweiligen Akteurinnen und Akteure mit ihrer Wahrnehmung der natürlichen und sozialen Umwelt in den Mittelpunkt. Zudem wird die Frage einer gewissermassen «legitimen Sicht auf die aktuellen ökonomischen und demografischen Prozesse» aufgeworfen. Denn Schrumpfung bedeutet nicht nur Leerstand, sinkende Einwohnerzahlen, strukturell sich festigende Arbeitslosigkeit und demografische Alterung, sondern auch Konfrontation mit zentralen ideologischen Prägungen einer einseitig auf Wachstum und Wertschöpfung setzenden Entwicklung von Gesellschaft. Der ländliche Raum gerät damit zum «zivilgesellschaftlichen Labor» der Spätmoderne.

Erschienen in: traverse, 2014/2, S. 91.

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