Anne-Sophie Zbinden, Monika Gisler

«Das Schweizer Erdöl den Schweizern!» Erdölsuche in der Schweiz im goldenen Zeitalter der 1950er-Jahre

Die Bedeutung von Erdöl und Erdgas ist für die Schweiz – wie für alle Industrie- und Schwellenländer – enorm: Seit den ersten Funden hat Erdöl die Kohle von ihrer Spitzenposition verdrängt und ist zum wichtigsten Energieträger der Welt aufgestiegen. In der Schweiz müssen Erdöl und Erdgas wie zuvor die Kohle vollständig importiert werden. Sie bezieht die beiden Energieträger von internationalen Unternehmen, die im Land um die Produktedistribution besorgt sind.
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Stimmen laut, welche die Erdölexploration in der Schweiz selber vorantreiben wollten. Ab den 1950er-Jahren diskutierten Bund, Kantone und Private intensiv über Erdölexplorationsprojekte, wobei die Akteure auf einer einheitlichen Linie argumentierten: Einerseits sollten Neutralität und Unabhängigkeit der Schweiz gewahrt bleiben, andererseits sollten mögliche Gewinne aus der Erdölförderung nicht ins Ausland abfliessen. Deshalb wurde versucht, Schweizer Kapital für die Exploration zu mobilisieren, ein Unterfangen, das sich als schwierig erwies: Obwohl sich namhafte Firmen an der Organisation der Erdölförderung beteiligten, war niemand bereit, grosse Investitionen zu tätigen. Die Explorationsbemühungen waren deshalb von Beginn weg von der Zusammenarbeit mit ausländischen Gruppen abhängig. Der Bund selber beteiligte sich erst ab 1983 finanziell an den Explorationen und er steuerte lediglich einen Bruchteil des benötigten Kapitals bei. Mit Ausnahme bescheidener Erdgasförderungen im Entlebuch zwischen 1985 und 1994 war die Explorationstätigkeit wenig erfolgreich. Ausländische Unternehmen dagegen konnten in der Schweiz Fuss fassen, obwohl dies Bund und Private zu verhindern versucht hatten.

Erschienen in: traverse, 2013/3, S. 99.

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