Michèle E. Schärer, Eléonore Zottos

Une période charnière dans l’histoire des crèches à Genève. Les années 1960–1970

Übersetzter Titel: Eine Zeit des Umbruchs in der Geschichte der Genfer Kinderkrippen. Die Jahre 1960–1970

Dieser Beitrag basiert auf einem abgeschlossenen Forschungsprojekt der Autorinnen zur Geschichte der Genfer Kinderkippen zwischen 1874 und 1990. Im Zusammenhang mit der Krisenthematik erscheint der Zeitraum 1960–1970 als zentraler Wendepunkt in der historischen Entwicklung. Aufgezeigt wird, wie und warum der Staat (Gemeinde, Kanton, Bund) – die Krippen verdankten ihr Entstehen der Privatinitiative und verfügten bis dahin über eine grosse Autonomie – in sie eingegriffen hat. Im Kanton Genf (sowie auch auf Bundesebene) wurden gesetzliche Massnahmen zur Kontrolle der Fremdplatzierung Minderjähriger eingeführt, Minimalnormen für die Genfer Krippen erlassen, die Ausbildung des Krippenpersonals kantonal geregelt und die kommunalen Subventionen wesentlich erhöht. Diese Massnahmen, die ganz besonders zum Ziel hatten, die Qualität der Krippen zu verbessern, sind auf dem Hintergrund der folgenden Veränderungen zu sehen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Entwicklung des Kleinkindes beeinflussten auch die Vorstellungen über die Bedeutung und Ausgestaltung der Kinderbetreuung im Rahmen von Institutionen; im Gefolge dieser Erkenntnisse ergänzten die erzieherischen Aufgaben der Krippen zunehmend deren ursprüngliche Zielsetzungen im Sinn der Fürsorge und Pflege. So wurden in der Phase 1960–1970 im Bereich der Genfer Krippen erste Schritte in Richtung einer politique publique gemacht, die als solche jedoch erst in den 1980er-Jahren gezielt Gestalt annehmen sollte.

Erschienen in: traverse, 2012/2, S. 110.

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